AufnahmeTechnik

Am Beginn der Idee zu OPUS BACH stand fest, daß eine einfache Stereoproduktion in CD-Qualität im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nicht mehr dem technischen Stand der Dinge genügen kann. 

Mehrkanalige Entwicklungen über Surround bis hin zu 3D-Formaten sowie die Verfeinerung der digitalen Abtastraten (man stelle sich ein Digitalfoto der frühen 90er Jahre im Vergleich zu heute vor) legten hier die Messlatte an. 

Da die Aufnahmen nicht en bloc, sondern peu à peu erscheinen (ca. eine CD-Länge aller halben Jahre, es will musikalisch alles gut vorbereitet sein), war zu bedenken, daß weitere technische Neuerungen das Projekt bereits während der Produktion alt aussehen lassen könnten. 

Somit fiel die Entscheidung, in AURO 3D (10.1) mit einer Abtastrate von 192kHz zu produzieren. 

AURO 3D deshalb, weil es mit 10 diskreten Kanälen arbeitet. Der räumliche Effekt entsteht also nicht synthetisch, sondern rein durch Laufzeitdifferenzen zwischen den Mikrofonen. Außerdem verwendet die 10.1-Konfiguration 3 Höhenebenen: 5 Kanäle in der ersten Ebene (Surround Layer), 4 Kanäle in der zweiten Ebene (High Layer) sowie ein Kanal in der dritten Ebene (Top Layer), die sogenannte „Voice of God“.

Vorteilhaft bei dieser Konfiguration ist, daß alle zur Zeit gängigen Formate, beginnend bei Stereo (mp3, CD, 192 kHz), über 5.1, 2+2+2 bis hin zu AURO 3D, quasi „abwärtskompatibel“ sind. 

192kHz Abtastrate sind zur Zeit das technisch mögliche und die Beantwortung der Frage, ob dies sinnvoll und tatsächlich hörbar ist, überlasse ich anderen, da diese Diskussionen bereits sehr häufig (und das schon bei 96kHz) geführt wurden.

Im Ergebnis bieten wir hier ein OPUS, welches allein in technischer Hinsicht alle zur Zeit verfügbaren technischen Formate anbietet bzw. auf neue Standards entsprechend flexibel reagieren kann. (Speziell für AURO 3D gibt es aktuell leider noch kein Streamingformat.)  

Ein paar Gedanken zur Aufnahme

Das Problem der Positionierung des AURO 3D-Mikrofonarrays bestand nun darin, ausgehend von jahrelang bewährten 5.1-Surroundanordnungen und der Erfahrung dreier CDs in St. Michael, dieses in einer Höhe von mehr als 10 Metern und in reproduzierbarer Aufstellung zu positionieren. 

Da die Möglichkeit der Abhängung oder Abspannung der Mikrofone nicht gegeben war, blieben nur monatelange Versuche mit Carbon- und anderen Leichtbaumaterialien, die letztlich zu einer Konstruktion führten, welche einerseits genügend weite Mikrofonabstände aufwies, um die entsprechenden Laufzeiten zu gewährleisten und andererseits leicht und stabil genug war, um auf einem Lufbildstativ in der gewünschten Höhe ihren Dienst sicher zu verrichten.

Dabei sind die drei vorderen Mikrofone (LCR), welche als „Decca-Tree“ für das Stereoklangbild sorgen, aus Gründen der Klarheit in der doch sehr halligen St.-Michalskirche etwas direkter angeordnet als bei vorangegangenen, eher romantischen Orgelproduktionen. Einerseits, um der Klarheit der Bachschen Stimmführung besser folgen zu können und andererseits, um im Falle der Surround- oder 3D-Wiedergabe eine wirklich homogene Balance zwischen allen Ebenen zu erzielen. 

 

Martin Fischer